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Scheidung - und nun?

Das Eingehen einer umfassenden und auf Dauer ausgelegten Lebensgemeinschaft ist ein einschneidender und lebensverändernder Akt. Doch genauso wie sich die Ehepartner während der Ehe verändern, so verändern sich die gesellschaftlichen Werte und die „auf Dauer“ ausgelegte Ehe wird immer mehr zu einer befristeten Partnerschaft. Doch was sind die Konsequenzen einer Auflösung der Ehe und welche Rechte haben geschiedene Ehepartner gegenüber dem/der ehemaligen Partner*in?

Mit dem Eingehen der Ehe verpflichten sich Ehepartner zu einer umfassenden Lebensgemeinschaft, in welcher sie sich Treue und Beistand schulden. Doch das Eingehen der Ehe beinhaltet nicht nur die Pflicht zur Treue, sondern auch wirtschaftliche und persönliche Konsequenzen wie die Namens- und Zivilstandsänderung. Die Ehepartner sind infolgedessen gegenseitig erbberechtigt, geniessen einen besonderen Schutz ihrer ehelichen Wohnung und können Verpflichtungen für den anderen eingehen. Sie wählen ihren Güterstand, also ob sie gemeinsam über ihr Vermögen verfügen möchten oder eine Trennung wünschen.

Mit der Scheidung werden all jene Entscheidungen hinterfragt und müssen neu geregelt werden. Die naheliegendste Konsequenz einer Scheidung ist die Änderung des Zivilstandes in die Bezeichnung „geschieden“, der somit offiziellen Auflösung der Ehe. Ebenfalls verlieren die ehemaligen Lebenspartner ihren gegenseitigen Erb-sowie Sozialversicherungsanspruch. Sie dürfen nicht mehr in fremden Namen Verpflichtungen eingehen, lösen ihre gemeinsame Wohnung auf und regeln den nachehelichen Unterhalt. Derjenige Partner, welcher aufgrund der familiären Situation nicht oder nur in Teilzeit gearbeitet hat, hat nun Anspruch auf Unterhalt, sollte er oder sie für seine Lebensweise nicht in zumutbarer Weise aufkommen können. Zudem haben die Partner das Recht, wieder ihren Ledignamen anzunehmen, sollten sie diesen bei der Heirat abgelegt haben.

Doch nicht alle Änderung sind so logisch und einfach nachvollziehbar. Wie sieht es bezüglich der Auflösung des gemeinsamen Vermögens aus? Wer bekommt das Sorgerecht für die gemeinsamen Kinder und wer darf in der gemeinsamen Wohnung bleiben?

Grundsätzlich leben die Ehepartner von Gesetzes wegen im Güterstand der Errungenschaftsbeteiligung. Dies bedeutet konkret, dass sie nach der Scheidung Anspruch auf je die Hälfte des während der Ehe erwirtschafteten Vermögens haben, welches auch Errungenschaft genannt wird. Ihr eingebrachtes Vermögen, beispielsweise Bankkonten mit Geldern vor der Ehe oder vererbten Schmuck, nehmen sie wieder zurück. Sie können jedoch auch den Güterstand der Gütergemeinschaft oder Gütertrennung mit der Ehe wählen.

Doch wer kriegt nun die Kinder? Das Sorgerecht wird im Normalfall beiden Elternteilen gemeinsam zugesprochen. Sie sorgen somit gemeinsam für die Erziehung der Kinder. Bei wem diese aber letzten Endes wohnen, wird mit der Obhut geklärt. Sollten sich die Eltern nicht einig sein, bei wem die Kinder wohnen sollen, wird ein Richter einem Elternteil die Obhut zusprechen. Diese wird normalerweise demjenigen Elternteil zugesprochen, der bis anhin für die Betreuung des Kindes verantwortlich war. Der andere Elternteil bekommt ein Besuchsrecht und hat dadurch Anspruch, sein Kind in regelmässigen Abständen zu sehen.

Auch die Frage bezüglich der Wohnung kann nicht pauschal beantwortet werden. Grundsätzlich gilt, dass kein Ehepartner ohne Zustimmung des anderen die Familienwohnung kündigen kann. Im Streitfall spricht das Gericht derjenigen Person die Wohnung zu, welche den grösseren Nutzen daraus ziehen kann. Sollten gemeinsame Kinder vorhanden sein, wird die Wohnung meistens dem/der obhutberechtigten Ehepartner*in zu gesprochen. Auch Wohnungen, welche speziell an gewisse Einschränkungen angepasst wurde (beispielsweise Rollstuhlgerecht), werden in der Regel jenem eingeschränkten Partner zugewiesen, da es für ihn oder sie mit einer grösseren Belastung verbunden ist, umzuziehen.