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Weakness of Underground Banking Systems

Das Kapitel wurde von Dr. iur. Dr. rer. pol. Fabian Teichmann in Zusammenarbeit mit Marie-Christin Falker verfasst und 2020 im Rahmen der Buchveröffentlichung von «Artificial Intelligence: Anthropogenic Nature vs. Social Origin» (Sergi, B.S. und Popkova, E.G.) publiziert. Das Kapitel behandelt die Gefahren von Untergrundbankensystemen in Hinblick auf Geldwäschereiaktivitäten und Terrorismusfinanzierung. Alternative Bankensysteme wurden lange vor der Einführung des modernen Finanzwesens errichtet. Das chinesische Untergrundbankensystem «Fei Ch’ien» (Chinesisch für fliegendes Geld) wurde beispielsweise zwischen 628 und 907 AD entwickelt. Das arabische Hawala-Bankensystem (Arabisch für überweisen) findet seine Ursprünge im Mittelalter. Diese Systeme basieren auf dem Vertrauensverhältnis zwischen Nutzern und Dienstleistern. Dabei gilt es zu beachten, dass dieses Vertrauensverhältnis durch persönliche Beziehungen, Bräuche und kulturelle Eigenheiten entsteht. So kommen diese Systeme oftmals in Regionen zum Zuge, die nicht durch das moderne Finanzsystem erschlossen sind. Somalia verfügt beispielsweise über keine Nationalbank, weswegen Geldüberweisungen von Somaliern im Ausland an Familienangehörige in der Heimat mehr als das Doppelte der Entwicklungshilfe ausmachen. Auch in mehreren Staaten Südamerikas existieren alternative Bankensysteme, welche primär von Drogenhändlern und Menschenschmugglern genutzt werden (Black Market Peso Exchange). Der entscheidende Vorteil dieser Systeme besteht in der Tatsache, dass deren Nutzung bereits mit wenigen Ressourcen zu bewerkstelligen ist. Dabei gilt es zu beachten, dass kein physisches Geld tatsächlich die Grenze passiert, sondern lediglich die Beträge der Dienstleister untereinander ausgeglichen werden. In Hinblick auf die Bekämpfung von Geldwäscherei und Terrorismusfinanzierung stellen diese alternativen Finanzsysteme eine erhebliche Herausforderung für Strafverfolgungsbehörden dar, denn die Nutzer können anonym operieren. Des Weiteren kooperieren Dienstleister nicht mit staatlichen Kontrollinstanzen, weswegen sämtliche Sorgfaltspflichten des herkömmlichen Bankensystems nicht greifen. Für Strafverfolgungsbehörden erweist es sich oftmals als schwierig, die nötigen Beweismittel in einem Strafverfahren zu erheben, da in den alternativen Bankensystemen keine Quittungen, Verträge, Kontoauszüge oder sonstige Dokumente existieren.

Zum Autor: Fabian Teichmann ist Rechtsanwalt und öffentlicher Notar in der Schweiz. Des Weiteren ist er auf internationaler Ebene als Unternehmensberater tätig.

Mehr zu diesem Thema finden Sie in Teichmann, F. & Falker M.C (2020). Weaknesses of Underground Banking Systems. In: Sergi, B.S. & Popkova, E.G. (eds.) Artificial Intelligence: Anthropogenic Nature vs. Social Origin. Zurich / Lausanne. Springer, 478-489.